Betrug. Rache?

Noch nie in meinem Leben habe ich mich so betrogen gefühlt. Ein Typ in meinem Studienjahrgang, von mir eigentlich erstmal unbemerkt, hat vor ein paar Monaten angefangen ständig mir sprichwörtlich am Arsch zu klemmen. Zuerst dachte, oh wie süß, ein Meganerd versucht sich an mich ran zu machen. Dann wusste ich nicht mehr so recht was seine Absichten waren. Wir redeten erst viel im Büro, blieben abends länger wenn alle schon heimgingen… danach kam es zu ein paar spontanen Aktionen. Sogar zum Strand sind wir zu zweit gefahren. Er hat mir ein Geburtstagsgeschenk gekauft, für mich gekocht, spontan ein Croissant ins Büro gebracht, kurzum, tausend kleiner Nettigkeiten gezeigt. Ich hingegen hab ihn auch bekocht, ihm mein zu Hause zur Verfügung gestellt, wir haben im Garten regelmäßig Wein getrunken bis tief in die Nacht...2 oder 3 Uhr morgens. Danach schlief er auf meiner Couch. Die Zeit verging und es kam wie es kommen musste: ich unterlag seinem Charme. Er verbrachte fast seine ganze Freizeit mit mir, außer am Wochenende, wenn er arbeiten musste. Er widmete sich ganz meinen Problemen, er hörte mir zu, und philisophierte mit mir über das Leben. Er riet mir, mich von meinem Freund zu trennen. Er malte aus, wie wir die Zukuft zusammen verbringen würden. Ich verliebte mich ihn ihn. So, wie noch nie zuvor. Ich denke, ich hatte ein ungeheures Gefühl der Sicherheit, teils dadurch, dass ich dachte, er wäre die loyalste und ehrlichste Person auf Erden, teils weil ich dachte in ihn meinen Seelenverwandten erkannt zu haben. Ich bewunderte ihn, klug wie er war, sein Körper athletisch gebaut , wortgewannt, vom Leben viel zu wissen scheinend. Ich trennte mich von meinem Freund.

Eines Abends, wir tranken Wein im Garten, kam es, wie es kommen musste. Er küsste mich. Und dann zerrte er mich auf die Couch … und wir knutschen wie wild für ein paar Stunden lang. Es war wunderbar, perfekt, leidenschaftlich. Sein Herz schlug wie wild. Ich konnte nicht aufhören, ihn zu küssen. Es wäre auch zu mehr gekommen, hatte Mutter Natur nicht gerade an dem Tag etwas dagegen gehabt. Er verbrachte die Nacht in meinem Bett. Er schlief aber anscheinend nicht lange. Um 7 Uhr morgens werde ich von einem Geräusch wach. Er ist gerade dabei sein Rucksack zu nehmen und aus der Tür hinauszugehen. Ich denke mir, wow, er schleicht sich doch nicht etwa davon?! Ich sage im Guten Morgen, ich frage ihn ob er zum Frühstück bleiben will, er will aber nur gehen, angeblich muss er sein Auto umparken. Nicht mal an einen Abschiedskuss denkt er. Den muss ich mir quasi erbitten. Er ist kurz und kalt. Er meint, er müsse das Geschehene verarbeiten.

Der nächste Tag beginnt, wir reden, als wäre alles normal. Als wir Essen kaufen gehen, frage ich ihn, was er denkt. Er bittet mich tatsächlich, zuerst meine Meinung zu sagen. Nachdem ich meine Gefühle offenbare, sagt er mir nur, dass er nur Freunde bleiben will. Dass er es nicht so großartig fand. Dass er unsere Freundschaft nicht kaputt machen will. Wir würden sowieso nicht lange weilen. Für mich kommt es wie ein Schock… ich habe das Gefühl, der ganze Boden unter mir versinkt…alles was in dem einem Moment da war, alles, was mir so als perfekt, rein und schön vorkam, war für ihn nicht da – er fühlte nicht das, was ich dachte das er schon seit Monaten fühlen würde. Ich konfrontiere ihn einige Tage später damit wieder. Diesmal klingt der Ton schon anders. Ja, es wäre vielleicht anderes gewesen wäre das zwischen uns schon viel früher passiert. Aber es kam was dazwischen. Er hat sich in ein anderes Mädchen verknallt. Und diese kennt er seit langem, länger als mich. Ich bin baff. Außer mir. Versinke mich im Heulen. Zu allem Übel müssen wir 10 Tage lang auf engstem Raum auf der anstehenden Konferenz verbringen. Ich denke mir, ok, er liebt jemand anderes, es ist nicht seine Schuld, das Bauchgefühl achtet nicht auf unser Kommando, sondert geht seine eigene Wege. Ich will ihm verzeihen, ich will weitergehen. Ich sage ihm, ich brauche irgendeine Form von Reue und Entschuldigung von ihm. Er sagt einfach ‚I’m sorry’. Ein Tag später, wir sitzen alle am Tisch, kommt es raus. Er hat mit jemand anderem eine Wette gemacht, bei der es darum geht den Namen seiner Angebeteten herauszufinden. Ich sitze da und muss mir alles anhören, er macht einfach mit. Lacht. Reißt derbe Witze. Klebt am Hintern jedes anderen weiblichen Objekts das sich auf dieser Konferenz bewegt.

Ich gebe auf. Traurig, verletzt, muss ich einsehen, dass ich ihm nicht verzeihen kann. Ich komm darüber nicht hinweg dass er mich weiterhin verletzt hat. Ich gebe ihm sein Weihnachtsgeschenk zurück und sag ihm er solle sein Schreibtisch wechseln. Wochen vergehen, nichts. Keine Bemühung, die Dinge richtig zu stellen. Keine Spur von Reue. Keine Spur von Verzeihung suchen, Kontakt aufnehmen, Erklärungen geben. Einfach nur NICHTS. Ich schreibe ihm zu seinem Geburtstag eine SMS, gebe ihm nochmal eine Chance sich zu erklären, mach ihm klar, dass ich ihm nach wie vor verzeihen will, wenn er nur bereit wäre für ein offenes Gespräch. Aber nichts. Auf die SMS kommt nur eine Email mit den gleichen Worten ‚I’m sorry’. Dann, schleichend, merke ich wie er mit dem neuen Mädchen im Büro immer mehr abhängt.Sie reden viel, sie lachen, sie sitzen praktisch auf einander’s Schoß. Angeblich sind sie schon mehrfach zu zweit Abendessen gegangen. Vor meinen Augen, jeden Tag, muss ich mir deren Gelächter anhören, muss jedesmal damit konfrontiert werden, dass es ihm blendend geht, dass ihm meine Gefühle schlichtweg am Arsch vorbei gehen. Und ich muss auch zusehen, wie er wahrscheinlich dabei ist, dem nächsten Mädchen das Herz zu brechen.

Ich habe immer versucht, das Gute im Menschen zu sehen. Viele tun das heutzutage nicht. Unsere Gesellschaft urteilt und beurteilt, die ganze Zeit. Es fängt schon mit den simplen ‚like’ Angaben auf Facebook statt. ‚Like’ wenn es dir gefällt. Fälle ein Urteil. Be judgy. Ziemlich jedermann nimmt ein kleines Detail bei dem anderen auf, und fühlt sich gezwungen, ein ‚statement’ abzugeben – der darüber entscheiden wird, ob man etwas mit dieser Person zu tun haben möchte oder nicht. Der ihn in eine Schublade ‚Like’ oder ‚Dislike’ tun wird. Ich versuche, bei jedem eine Erklärung zu finden, wieso er ist wie er ist, wieso er handelt wie er handelt. Versuche daran zu denken, dass gewisse Eigenschaften und Taten nicht seiner Schuld unterliegen. Dass wir alle im Grunde genommen gut sind – und keine Monster. Dass niemand im Kern genommen die Absicht hat, jemand zu verletzen. Ich habe mich derart daran festgebissen, und habe auch in diesem Fall versucht das Gute in dieser Person zu sehen. Ich gebe hiermit auf. Ich glaube, dem Teufel im Menschen gesehen zu haben. Wo bleibt seine Moral? - frag ich mich die ganze Zeit. Hat er keine Schuldgefühle? Merkt er überhaupt nicht, wie taktlos er ist? Wieso ist er so bedrängt alle Mädchen in seinem Umfeld seinem Charme zu unterlegen? Und zu guter Letzt, war seine Freundschaft nur eine Farce? Ein wahrer Freund würde alles dafür tun, das hier richtig zu stellen. Würde meine Gefühlt respektieren. Würde mich respektieren.

Ich gebe auf. Ich sehe diesen unheimlich Berg von Wut in mir, ich weiß nicht mehr wohin damit. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich unterliege der Versuchung, Rache zu nehmen. Aber ich merke, dass es nichts gibt das ihn dazu veranlassen könnte, meinen Schmerz auch nur zu einem Bruchteil für eine Weile zu spüren.

4.4.14 17:59

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